Warum dürfen Edelstahl und Kohlenstoffstahl nicht miteinander in Kontakt kommen?

Edelstahl und Kohlenstoffstahl dürfen nicht in direktem Kontakt zueinander stehen. Dies ist ein grundlegendes Prinzip der Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik. Hauptgrund dafür ist die sogenannte galvanische Korrosion, auch bekannt als heterogene Metallkorrosion. Dabei opfert sich ein Stück Kohlenstoffstahl, um Edelstahl zu schützen, wodurch der Kohlenstoffstahl schnell rostet.

Edelstahl ist mit Kohlenstoffstahlkern nicht kompatibel, da galvanische Korrosion auftritt.

1. Die Potentialdifferenz ist die treibende Kraft

Verschiedene Metalle weisen in Elektrolyten (wie Wasser, feuchter Luft, Säuren, Basen, Salzen usw.) unterschiedliche elektrochemische Aktivitäten auf, die sich durch ihren unterschiedlichen Elektronenverlust erklären lassen. Dieser Aktivitätsunterschied wird über das Elektrodenpotenzial gemessen.
Reaktive Metalle wie Kohlenstoffstahl haben niedrigere Elektrodenpotentiale und neigen eher dazu, Elektronen zu verlieren, wodurch sie weniger korrosionsbeständig sind.
Inerte Metalle (wie Edelstahl) weisen höhere Elektrodenpotentiale auf und geben weniger Elektronen ab. Edelstahl ist deshalb „rostfrei“, weil das Chrom auf seiner Oberfläche eine dichte Chromoxid-Passivierungsschicht bildet, die weitere Korrosion verhindert.
Wenn diese beiden Metalle im Elektrolyten in direkten Kontakt kommen, wird ein geschlossener Primärstromkreis der Batterie gebildet.

2. Korrosionsprozess

Anode (korrodiertes Ende): Kohlenstoffstahl dient als unedles Metall und bildet die Anode der Batterie. Er löst sich aktiv auf (korrodiert) und gibt dabei Elektronen ab. Die Reaktionsgleichung lautet: Fe → Fe²⁺ + 2e⁻
Kathode (geschütztes Ende): Edelstahl dient als Kathode der Batterie. Er korrodiert nicht, sondern nimmt Elektronen von der Anode auf und reagiert mit Elektrolyten (wie z. B. Sauerstoff im Wasser). Die Reaktionsgleichung lautet: O₂ + 2 H₂O + 4 e⁻ → 4 OH⁻
Ergebnis: In diesem Batteriesystem fließt der Strom vom Kohlenstoffstahl (Anode) zum Edelstahl (Kathode), was zu einem starken Anstieg der Korrosionsrate des Kohlenstoffstahls führt, während der Edelstahl durch den „kathodischen Schutz“ geschützt ist und nahezu nicht korrodiert.

Eine anschauliche Metapher:

Es ist, als würden ein „ehrlicher Mensch“ (Kohlenstoffstahl) und ein „kluger Mensch“ (Edelstahl) eine Geschäftsbeziehung eingehen. In schwierigen Situationen (korrosive Umgebung) opfern ehrliche Menschen ständig ihre eigenen Interessen (Korrosion), um sicherzustellen, dass kluge Menschen unversehrt bleiben.

Edelstahl kann in Bezug auf die wichtigsten Einflussfaktoren nicht mit Kohlenstoffstahl mithalten.

Der Schweregrad der galvanischen Korrosion hängt von folgenden Faktoren ab:
Umgebung (Elektrolyt):Dies ist der entscheidende Faktor. In trockener Luft tritt keine galvanische Korrosion auf, da kein Elektrolyt vorhanden ist, der einen Stromkreis bildet. In feuchten Umgebungen, Meerwasser, Industriegebieten und Salznebelgebieten kann Korrosion jedoch sehr schnell und schwerwiegend verlaufen.
Potenzialdifferenz:Je größer die Potenzialdifferenz zwischen zwei Metallen ist, desto stärker ist die Triebkraft für Korrosion. Die Potenzialdifferenz zwischen Kohlenstoffstahl und Edelstahl ist groß genug, um erhebliche Korrosion zu verursachen.
Das Verhältnis von Anoden- zu Kathodenfläche:Dies ist eine der gefährlichsten Situationen. Ist die Fläche der Kathode (Edelstahl) groß und die der Anode (Kohlenstoffstahl) klein, konzentriert sich der Korrosionsstrom stark auf den kleinen Kohlenstoffstahl, wodurch dieser innerhalb kürzester Zeit vollständig korrodiert und durchlöchert wird. Wird beispielsweise ein Edelstahlbehälter mit einer Kohlenstoffstahlschraube befestigt, rostet diese schnell und bricht.

Wie lässt sich das Verbinden von Edelstahl mit Kohlenstoffstahl verhindern und wie lassen sich Probleme lösen?

In der Praxis müssen häufig Edelstahl und Kohlenstoffstahl miteinander verbunden werden, weshalb Isolationsmaßnahmen getroffen werden müssen:
1. Elektrische Isolierung:Dies ist die effektivste und gebräuchlichste Methode. Man fügt ein nichtleitendes Isoliermaterial zwischen zwei Metalle ein, um den Stromkreis zu unterbrechen.

  • Isolierdichtungen/Unterlegscheiben verwenden: An Flanschverbindungen Kunststoffdichtungen (z. B. PVC, Nylon), Gummi- oder synthetische Dichtungen verwenden.
  • Verwenden Sie isolierte Buchsen und Unterlegscheiben: Bei Schraubverbindungen verwenden Sie Kunststoffbuchsen zwischen den Schrauben und den Kohlenstoffstahllöchern und isolierende Unterlegscheiben unter den Muttern.
  • Isolierschichtbeschichtung: Die Kontaktfläche mit Epoxidharz, Farbe oder anderen Beschichtungen besprühen. Es wird empfohlen, beide Oberflächen oder zumindest die Kathode (Edelstahl) zu beschichten, da bei einer Beschädigung der Beschichtung die Korrosion an der betroffenen Stelle stärker wird, wenn nur die Anode (Kohlenstoffstahl) beschichtet ist.

2. Kontrollumgebung:Um eine Ansammlung von Elektrolyten zu vermeiden, sollten die Verbindungsstellen so trocken und sauber wie möglich gehalten werden.
3. Verwendung von Übergangsmaterialien:Durch Hinzufügen eines Metalls mit einem Elektrodenpotential zwischen zwei Metallen (wie z. B. Aluminium) wird eine Methode angewendet, die jedoch weniger gebräuchlich ist und eine sorgfältige Planung erfordert.
4. Kathodischer Schutz:Die gesamte Struktur wird künstlich in eine Kathode umgewandelt, indem ein externer Strom angelegt oder eine Anode (z. B. ein Zinkblock) geopfert wird. Dieses Verfahren wird jedoch typischerweise für große Strukturen wie Schiffe und Pipelines verwendet.

Abschluss

Edelstahl und Kohlenstoffstahl dürfen nicht in direkten Kontakt kommen, da sie in feuchten Elektrolytumgebungen Primärbatterien bilden können, was zu beschleunigter galvanischer Korrosion des Kohlenstoffstahls als Anode führt. Um dies zu vermeiden, müssen bei der Konstruktion und Installation elektrische Isolationsmaßnahmen getroffen werden, wie z. B. die Verwendung von Isolierdichtungen, -buchsen und -beschichtungen, um die Sicherheit und die lange Lebensdauer der Anlage zu gewährleisten.


Veröffentlichungsdatum: 29. Oktober 2025